Endlich ist die Fußball-EM vorbei! Endlich? Wieso endlich? Das fragen sich vielleicht jetzt die Leute, die mich persönlich kennen und wissen, dass ich mir von den Niederungen des Amateurfußballs bis in die Sphären der Champions League eigentlich jeden Scheiß reintue. Nun ja, das hat folgenden Grund:
Diesen weisen Spruch hat bereits während der Vorrunde mein Nachbar von gegenüber aufgehängt - vollkommen zurecht! Eigentlich mag ich meine Wohngegend, ein Zentrum für Kunst, Kneipen und Kultur der Stadt. Während der EM wurde meine Straße allerdings meist als Feierstrecke und Autokorsoübungsgelände missbraucht. Das ging direkt los nach dem deutschen Auftaktsieg gegen Polen, inklusive Gekicke auf der Kreuzung und Aufmarsch der
grünen blauen Brigade. Über das faschistoid anmutende “Sieg!”-Gegröhle will ich mich nicht weiter auslassen. Bei unseren Kollegen von verbrochenes kann man schön nachvollziehen, wozu das führt.
Wie auch immer, wirklich zu gönnen war das Feiern zumindest den türkischen Fans, nachdem sie das verloren geglaubte Spiel gegen die Tschechen (deren Motto wohl “Kein Jiri, kein Sieg” lautete) gedreht hatten. Die Bremer Polizei hatte natürlich aus den Nächten davor gelernt und die Sielwallkreuzung gesperrt. Sehr geschickt, denn so wendeten die hupenden Autos direkt vor meinem Fenster.
Jetzt ist wieder Ruhe eingekehrt, nur noch das anheimelnde Gebölke von Besoffenen und anderem Gesocks wiegt mich sanft in den Schlaf.