Vor einem Jahr schrieb das großartige Magazin
brand eins einen
Artikel über den Mann mit dem roten Quadrat. Dieser Herr heißt eigentlich Gerhard Knies und ist Gründer von TREC, der Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation. Die Initiative hat sich der Idee verschrieben,
solarthermische Kraftwerke in den Wüsten Afrikas zu errichten und die Energie dann (auch) nach Europa zu schaffen.
Solarthermie funktioniert zum Beispiel so: Sonnenlicht wird durch Spiegel gebündelt und erhitzt eine Trägerflüssigkeit, z.B. bestimmte Öle, die wiederum Wasser zum Verdampfen bringt. Jetzt kommen ein paar Turbinen ins Spiel und wir haben, sozusagen, die Dampfmaschine für Fortgeschrittene. Warum das eine gute Idee ist, verdeutlicht ein Blick auf nackte Zahlen:
Marktübliche Solarzellen für Hausdächer sehen schick aus und demonstrieren einen ökologisch-korrekten Lebensstil. Leider bringen sie es gerade mal auf einen Wirkungsgrad von fünf bis 17 Prozent. Dank extrem hoher Subventionen von 40 bis 50 Cent pro Kilowattstunde rechnet sich die Stromerzeugung für Privatleute auch in unseren Breitengraden halbwegs. Die Umwelt profitiert kaum. Eine Solarzelle braucht hierzulande allein drei bis fünf Jahre, um die Energie zu erzeugen, die zu ihrer Herstellung nötig war.
Die großtechnischen Spiegel-Anlagen schaffen bei einem Bruchteil der Anschaffungskosten den doppelten Wirkungsgrad. In Südeuropa amortisieren sie sich, was die eigene Energiebilanz angeht, in vier bis sieben Monaten. In der Wüste geht es noch schneller. Solarthermische Kraftwerke können mit Wärmespeichern ausgestattet werden, das heißt ein Teil der Sonnenwärme am Tage heizt flüssige Salze auf ein paar Hundert Grad. Die Wärmeenergie in den Salzspeichern wiederum wird dann nachts oder an Regentagen in Strom verwandelt. (...)
Bliebe ein Problem: Der Strom muss aus den Wüsten des Südens zu den Stromfressern im Norden kommen. Das Problem ist mit vorhandener Technik zu einem bezahlbaren Preis lösbar. Die Lösung hat das Kürzel HGÜ, das für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungstechnik steht.
Sehr lesenswert ist zum weiteren Verständnis auch
die Zusammenfassung der Organisation TREC. Kurz und knapp geht aber auch:
- momentan subventionieren wir Photovoltaik-Kraftwerke im nicht sonderlich sonnigen Deutschland, die weder energie- noch kosteneffizient sind
- 0,3 Prozent der Wüstenflächen in Nordafrika und im Mittleren Osten würden ausreichen, um mit solarthermischen Kraftwerken den gesamten Energiebedarf Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens zu decken
- ein Hochspannungs-Gleichstrom-Netz verliert nur 3% Energie auf 1000 Kilometer, was bei den riesigen Massen von Solarstrom kein Problem wäre
- die Technik ist altbekannt und erprobt; es braucht also keinen technischen, sondern “nur” einen politischen und finanziellen Durchbruch
Wir dürfen gespannt sein, ob der Solarplan für die Mittelmeer-Union, der im Jahr 2009 langsam ins Rollen kommen soll und das Thema Solarthermie aufgreift, für neuen Schwung sorgen wird. Unser Herr Bundesminister
spricht von einer “konkreten Perspektive”, das ist ja schon mal was.
Ach ja, und ehe ich es vergesse:
Wikipedia erklärt das alles natürlich auch ganz wundervoll, inklusive Bildmaterial.