Am Mittwochabend beging ich gegen 22 Uhr einen großen Fehler. Entgegen meiner Gewohnheit schaltete ich den Fernseher ein, um mir die Langeweile zu vertreiben. Ich zappte ein wenig durch das Programm - Plasberg, Kerner, Jauch. Irgendwann war ich im zweistelligen Bereich der Kanalbelegung angelangt und damit auch beim DSF. Männer TV Spezial hieß die Sendung, wie mir grade der
Kalender auf der Homepage verraten hat. Der Inhalt:
Als ich einschaltete, ging es allerdings gerade um Jennifer. Jennifer, tagsüber Vertriebsassistentin, arbeitet abends als Moderatorin beim DSF-Sportquiz. Kein leichter Job, leichtbekleidet doofe Fragen vorzulesen und die Leute zum Anrufen zu animieren. Das wichtigste Mittel, damit die Menschen lange zuschauen: Große Brüste in die Kamera halten. Zum Glück ist das DSF ein jugendfreundlicher Sender. Deshalb trägt die Jenny immerhin einen BH. Nun ließ sie sich in Männer TV darüber aus, wie er beschaffen sein muss. Kriterium Nummer 1: Polster. Weitere Kritieren gab es nicht. (Ob sie wohl schon den
Tchibo-Wende-BH ausprobiert hat?)
Sicherlich dürfte es für die gute Jenny ein schwerwiegendes Problem sein, einen geeigneten BH zu finden. Doch glücklicherweise hat sie andere Karrieremöglichkeiten, in denen dieses Kleidungsstück nur eine untergeordnete Rolle spielt. Denn es finden sich immer Menschen, die Frauen fürs Sichausziehen bezahlen möchten. Beispielsweise zwei schätzungsweise 18-jährige Typen, die ich Freitagnacht am Ende der Diskomeile traf. Ich stand gerade an einer Ampel als:
Typ 1: Entschuldigen Sie! Kennen Sie sich in Bremen aus?
Ich (verdutzt, Blick zur Seite, eitler Gedankengang: “Sehe ich wirklich schon so alt aus, dass der mich Siezen muss?” Dann aber die ehrliche Antwort): Joa, ein bißchen.
Typ 1: Wissen Sie wo es hier, äh, (sucht nach Worten) einen Strip-Laden gibt...
Ich (nur gedacht): Meint er ‘nen Strip-Club oder wollen die in ‘nen Puff? Nee, die sehen zu brav aus.
Typ 1 (vollendet seinen Satz): ...so mit Table-Dance und so?
Ich (überlege, zeige in die entgegengesetzte Richtung): Da hinten, glaube ich.*
Typ 1 und 2 (freudestrahlend): Vielen Dank, dann gehen wir da mal gucken!
Schlagartig kam mir nicht nur die Vertriebsassistentin Jennifer wieder in den Kopf. Und ich hatte zwei Tage zuvor noch weitere prägende Erlebnisse vor dem Fernseher gehabt. Während der Werbung bei Futurama (gute Nachricht: es sollen
neue Folgen kommen), sah ich Neues aus der Welt des Konsums. Ich hätte die beiden Jungs mal fragen sollen, dachte dann so am Freitag, ob sie vielleicht auch einen dieser coolen Handy-Bildschirmschoner haben, die auf
grandiose Art und Weise den Akkuladestand anzeigen. Oder ob sie das neue
Karlsberg Mixery Vodka Flavour Iced Lemon (heißt wirklich so, Werbespruch: “Eiskalt, prickelnd, Party pur!”, wahrscheinlich neu abgefüllte Alsterreste) trinken würden. Oder ob sie, wenn sie später einmal verheiratet sind, sich auf
Erlebnis 18 eine heiße, außereheliche Liebesnacht verschaffen würden. Vielleicht ist Jenny dort ja auch angemeldet.
*Ich weiß, was jetzt kommt. Nein, ich war noch nie in dem Stripschuppen, aber auf dem Weg zum Tower kommt man daran vorbei.