Wir hier bei unkewl empfinden uns, ganz bescheiden ausgedrückt, durchaus als Vorreiter. Draußen scheint die Sonne, das Thermometer zeigt 32 Grad - doch das ist noch lange kein Grund, sich nicht schon einmal auf den nahenden Winter vorzubereiten. Das wichtigste Accessoire ist dabei der Schal. Modisches Statement, die Vervollkommnung eines jeden Outfits. Wie gut, dass der Herr Mit-Blogger und ich bereits gewappnet sind: Mit einem Schal der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft - Fotos des
Kaders der WM 1982 inklusive.
Vor kurzem war ich nämlich mit einem unserer treuen Leser auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für den Herrn Mit-Blogger. Wegen akuter Ideenlosigkeit schlug ich vor einen Laden aufzusuchen, der dem Namen nach “Kitsch” verkauft. Das ist eines dieser Geschäfte, das wirklich alles anbietet, was kein Mensch gebrauchen kann. Vom Gasherd bis zum Gürtel, von der Mikrowelle bis zum Minispielzeuggewehr. Wahrscheinlich werden im Hinterzimmer außerdem Drogen verkauft. Doch bereits vor der Tür fiel uns dieses wunderschöne Stück ins Auge. Glänzendes, billiges Polyester, schwarz-rot-goldene Fransen und “18 BUNT FOTOS” (laut Verpackung) - wer da nicht zugreift, hat nun wirklich keinen Geschmack! Style-Faktor: 8/10.
Und die Fotos, die weniger bunt als leicht gelbstichig sind, sind eine wahre Augenweide. Trainer Jupp Derwall und Co-Trainer “Sir” Erich Ribbeck schauen zwar, als wären sie gerade von der Beerdigung der Großmutter zurückgekommen, aber es ist eigentlich unvorstellbar, dass sie nicht stolz sind, auf diesem Schal verewigt zu sein.
Die 80er, um einmal auf den Herstellungszeitraum des Schals zu sprechen zu kommen, das waren im Fußball die Jahre, in denen die Haare der Spieler vorne kürzer und hinten länger wurden. Oder man sich einfach irgendwie eine Matte stehen ließ. Und obligatorisch kam eine kleine Bürste auf der Oberlippe dazu. Habe ich jemals erwähnt, dass ich für eine Rückkehr dieser Mode im professionellen Fußballsport bin? Toni Schumacher deutet hier den Pornobalken schon einmal dezent an, während Paul Breitner seinem, wenn auch etwas gestutzten, End-70er-Afro (sowohl Haupt- als auch Gesichtsbehaarung, Variante: Bär) treu bleibt.
Der “schöne Hansi” Müller und Lothar Matthäus hingegen versuchen sich im braven Stil, der jede Schwiegermutti wuschig macht. Adrett frisiert, glatt rasiert - einfach fesch. Sie würden den Schal wohl nie tragen, alleine aus Angst vor Hautreizungen. Selbst schuld.