Momentan ist mir langweilig. Es ist nämlich Winterpause in der Bundesliga. Während in den letzten Jahren, in denen 96 im unteren Drittel der Tabelle rumkrebste, noch schnell einige Kracher-Transfers getätigt wurden - man denke an Götter wie
Stanko Svitlica (ein Tor, immerhin gegen Bayern) oder
Veljko Paunovic (kein Tor, gegen keine Mannschaft) - passiert momentan überhaupt nichts. Die hannoverschen Sportjournalisten scheinen deshalb ähnlich gelangweilt wie ich und befassen sich mit wichtigen Themen wie der
Glücksrückennummer von Neuzugang Ismael, die er leider in der Rückrunde nicht tragen darf. Ich möchte stattdessen darüber berichten, wie ich zu 96 gekommen bin. Dies sind alles nur Erinnerungen eines damals Achtjährigen, es ist also keine historische Genauigkeit zu erwarten.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, warum ich damals ins Stadion gegangen bin. Mein Vater war und ist glühender 96-Anhänger und vielleicht hatte er öfter davon gesprochen ins Stadion zu gehen. Jedenfalls lief bei uns zu Hause oft Fußball im Fernsehen und ich begann mich dafür zu interessieren. Also nahm mich mein Vater mit ins Niedersachsenstadion zum Pokalspiel gegen Saarbrücken in der Saison 1994/95. Mit dabei war auch mein Großvater, der mich übrigens im letzten Jahr damit überraschte, dass er die Hälfte der Namen der Meistermannschaft von 1938 auswendig wusste, und - glaube ich - meine Mutter. Wir hatten Sitzplätze auf der Gegengeraden und ich erinnere mich, dass diese damals mit Holzbänken bestückt war, wie man
hier erkennen kann. Das Spiel war, obwohl 96 drei Jahre zuvor den DFB-Pokal gewonnen hatte, nicht gut besucht. Mein Vater erklärte mir, dass die Spieler gleich durch den
Tunnel (hier im Vordergrund) auf das Spielfeld kommen würden. Als sie dies taten, schwenkte ich wie wild die Fahne, die mir mein Opa vor dem Spiel gekauft hatte. Mit dem Spiel selbst verbinde ich drei Erinnerungen. Zum einen denke ich an
Stefan Studer, der eine Halbzeit lang die linke Bahn direkt vor mir beackerte. Zum anderen fällt mir
Lothar Sippel ein, der vor der Saison mit großem Tamtam aus Dortmund nach Hannover gewechselt war und dessen Arme bei jedem Sprint wie schlackernde Suppenkellen an ihm vorbeiflogen. Zum dritten erinnere ich mich an ein Tor von 96. Der Ball wurde aus dem Mittelfeld nach rechts gespielt, von dort wieder nach innen und über die Linie gedrückt, ich glaube sogar von Suppen-Sippel. Leider war es Abseits. Saarbrücken schoss zwei Tore, die beide regulär fielen. Die habe ich aber ausgeblendet.
Mit den Fans in der Kurve verbinde ich vor allem den Schlachtruf “91, 92, 93,...” sowie meine Frage, warum sie denn “HSV” riefen und nicht “96”. (Als mich ein Kumpel dasselbe mit 15 Jahren fragte, habe ich ihn ausgelacht.)
So begann jedenfalls meine Karriere als 96-Fan und ich habe wahrscheinlich noch viele weitere, noch schlechtere Spiele als dies gesehen. Trotzdem möchte ich mir hier bei meinem Vater bedanken, dass er mich damals mit ins Stadion genommen hat. Und jetzt dürfen sich alle wieder mit der Rückennummer von Ismael beschäftigen.